Donnerstag, 23. oktober 2008 4 23 /10 /2008 11:22
Herbst in Göttingen, schon eine Weile her - da dachten sich die Nasen der NPD mal wieder auf die Strasse zu müssen. Jaja die Arier gehen spazieren - und das direkt bei mir vor der Haustür - das geht nicht an, das muss nicht sein:

Also rein in den Zug, die Mission des Tages?

Der Braunen Pest das laufen lehren!

Alles geht gut, am Bahnhof werden wir bereits von etlichen Mitgliedern des Taem Green sehnsüchtig erwartet! Das ist ja nix neues, man kennt sich bereits und auch mein Liebling von der hannoveraner Hundertschaft ist anwesend - man erkennt ihn daran, das er kiloweise Butter in den Haaren hat, ungefähr 1,90 hoch ist und ewig schlechte Laune hat. Noch nicht mal anflirten darf man ihn. Als er mich sieht kommt sofort der spruch. Nicht der schon wieder - jaja man kennt sich!

Juhu, ich freue mich natürlich auch den jungen Mann wieder zu sehen und drücke dies auch aus. "Ach, mein Lieblingsbrummbär"!
Die Erwiederung ist ein stumpfes "Biste schwul oder was?" - "Nein, soll ich es werden, für dich doch immer!"

Kommt nicht wirklich gut an und meine Freunde sind nicht gerade gut gelaunt, da wir ja jetzt extra lange durchsucht werden.

Das hat aber auch etwas gutes, denn weiter vorne kommt gerade das USK (Unterstützzungssonderkommando) an und begrüsst die Mitmenschen auf die übliche Art und Weise recht rustikal mit gezielten Schlägen.

"Seht ihr Jungs, da wären wir jetzt, wenn ich nicht geflirtet hätte - hat alles seine Vorteile!" Mit einem Blick zu Grummelbärchen sage ich nur noch "Ja hier sind alle viel gechillter!" "Verpiss dich ist die Antwort - naja seine Telefonnummer wollte ich eh nicht mitnehmen, meine Freundin wird immer so sauer.

Sie wird echt schnell eifersüchtig - wir haben nämlich den Sport Dienstnummern zu sammeln - so wie andere Menschen in der Disco Telefonnummern sammeln sammeln wir halt Dienstnummern! Meistens bekomme ich mehr. . . aufs Maul und sie mehr Dienstnummern. Leider kommen wir auch fast immer getrennt in die Gewahrsamszellen - sie hat es da viel einfacher Tabak und Zigarretten einzuschmuggeln.

Die netteste Gewahrsamszelle war bis jetzt die Zelle in Rostock auf dem G8, da habe ich sogar noch etwas mit nach Hause genommen, irgend ein Hippieaktivist verpasste unserer ganzen Gruppe Läuse. Bei mir ging das recht schnell weg, aber ein Kumpel mit Dreadlocks musste sich seine Dreads abschneiden, zumindest einige, die meisten fielen von alleine ab!

Aber zurück zum Tagesgeschehen.

Erstmal die Biervorräte auffüllen - heute ist ja keine Aktion, sondern ein Oi-Polloi warm-up Konzert!

Ich glaube nicht, das es viele Supermärkte gibt, vor denen 4 voll ausgerüstete BGS`ler stehen und Ausweise kontrollieren.
Jugendschutz,Schikane,oder auf der Suche nach Menschen mit Haftbefehl?

"Na Jungs -Praktikum beim Supermarkt - ist wohl nicht der Spruch, der unsere Beliebtheit hebt, aber wir wollen ja auch nicht mit den Mädels saufen gehen, also egal! Es wäre ja nicht das erstemal, das ein Supermarkt im Luafe einer dieser Aktionen...ääääh umverteilt wird! Ich glaube plündern ist der bürgerliche Ausdruck hierfür. Pirateneinkauf klingt doch viel netter!

Korsareneinekauf für Korsakov laß ich in Hannover mal auf einem T-Shirt! Fand ich gut!

Langsam gehen wir in Richtung der Veranstaltung -ich habe mitgezählt während ca.3 Kilometern (einer Kneipe und 2 Supermärkten) wurden wir 12 mal Personal konntrolliert. Zum Schluss haben wir den Perso gar nicht mehr weggesteckt!

"Übt ihr hier für eine Schnitzeljagd?" 

Langsam füllten sich die Ränge vor dem Konzert - das kostet aber auch einen ganzen Happen und wir haben unser Geld für Bier und Ordnungswidrigkeiten ausgegeben - also erstmal rumparasitären und Flaschen sammeln. Zum Glück kennen wir einige der Veranstalter´und die wollen uns unbedingt drinnen haben - ob sie uns drinnen haben wollten, weil wir so gut feiern können, oder um der Polizei keinen Vorwand zu liefern (Können wir auch ganz gut!) haben wir nicht mehr rausbekommen. Ist ja auch nicht wirklich wichtig..Bier trinken ist wichtig!

Oi-Polloi fanden uns auf jeden Fall super und schenkten uns auf der Bühne eine Flasche Whisky - lecker aber absolut ungesund.

So das Tagessoll ist absolut erfüllt, jetzt müssen wir nur noch schauen, wo wir schlafen können, hier gibt es irgendwo einen Wagenplatz.

Gefunden, Penntüte ausgerollt und losgeschnarcht! Morgen müssen kraftvoll Barrikaden gebaut werden!

Gute Nacht

(Fortsetzung Folgt!)
von rocky fella
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Mittwoch, 22. oktober 2008 3 22 /10 /2008 14:44
Nachdem meine Ex-Freundin mich verließ fiel ich erstmal in ein tiefes schwarzes Loch, rappelte mich jedoch nach aussen hin wieder auf. Ich besorgte mir eine Zivildienststelle in einem Altenheim in der dortigen Kleinstadt. Hier hatte ich meine ersten Kontakte zur politischen Szene. Zwar war ich auch vorher bereits auf einigen demos aktiv, dies war jedoch eher Konsumverhalten, da ich die demo (wie viele andere auch) nur dazu nutzte mal Stress mit der Polizei anzuzetteln und "auf die Kacke zuhauen"!

Während der Zivildiesntzeit engagierte ich mich und gründete mit Freunden zusammen eine Antifa, was auch dringend nötig war, denn inzwischen machten sich dort immer mehr und mehr Nazis breit und versuchten sich eine eigene Struktur aufzubauen.

Wir meldeten eine demo an und da ich einer der wenigen Menschen ohne Vorstrafen war wurde ich zum Demoanmelder auserkoren. Irgendwie habe ich mir das ganze ja etwas leichter vorgestellt - aber Pusteblumenkuchen!

Auflagen über Auflagen falttertern mir in meine Ziviwohnung und irgendwann wurde ich während der Arbeit zur Direktorin des Altenheimes zitiert. O ooh hatten sie etwa herausgefunden, das wir uns geschickt vor der Arbeit drückten, haben sie womöglich unseren kleinen Nebenerwerb entdeckt, oder ist aufgefallen, das wir uns ab und zu mit Bewohnern in den umliegenden Kneipen rumtrieben.

(Unvergessen an dieser Stelle ist Hermännchen - ungefähr 75 Jahre, der es immer noch schaffte uns unter den Tisch zu trinken und mit seinen Geschichten, wie er es schaffte die Wehrmacht zu umgehen immer wieder für Heiterkeit sorgte!)

Nein, es gab vorerst keinen Ärger -es war ein Mensch von der Polizei, der mir die Auflagen für die Demo aushändigen wollte und sich mit mir darüber besprechen wollte - so viel Respekt hatte ich selten von der Direktorin...na sie war wohl früher in der Friedensbewegung und stand damals hinter unserem Vorhaben! Ich musste nur sagen heute nachmittag ist Gruppentreffen und schon hatte ich frei - ich hatte es läßt sich raten nicht immer Gruppentreffen - naja irgendwie schon, wir trafen uns als Gruppe im Park und fröhnten dem Alkohol und hingen in illegalen Geisteszuständen rum, oder spielten Playstation o.ä.

Wieso wollte der Polizist mir Unterlagen geben, die ich längst hatte?

Ganz einfach - er zitierte mich zu einer Besprechung, bei der 2 seiner Kollegen mit mir sprechen wollten. Aua, das klang nicht nett.

War es aber! Zwei Herren in Zivil stellten sich als Mitarbeiter des Verfassungsschutzes vor und wollten sich mit mir unterhalten. Freie Wahl des Cafes...Ich schlug meinen Stammitaliener vor! Kaffee und Kuchen auf Staatskosten, das ist doch auch mal etwas!

Die Leute waren einfach ein wenig nervös, da es in der Stadt eine alte autonome Struktur gab, die als eine der Ersten ein eigenes Haus besetzt hat - noch vor den Berlinern. Da waren die Leute wohl noch genervt genug, um gleich einmal den Staatsschutz vorbei zu schicken - horch wer tritt die Türe ein, wird wohl eine Razzia sein!

Ob man es glaubt, oder nicht, sie boten mir auch Geld dafür an, Namen und Adressen zu nennen - aber nix da!

Langsam kam ich wieder auf die gerade Bahn und lernte auch eine nette Frau kennen, mit der ich immerhin fast 1 Jahr zusammenblieb - die einzige Beziehung, die ich beendete. ich habe heute noch ein wenig ein schlechtes Gewissen, da ich ihr mit dem schluss machen weh getan habe. Zum Glück ist sie mit einem anderen zusammen und hat sich sowieso ihre Figur mit 2 Kindern versaut, inzwischen ist sie (weit) ausserhalb meines Beuteschemas!
von rocky fella
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Mittwoch, 22. oktober 2008 3 22 /10 /2008 13:43

Wie bin ich eigentlich nach Berlin gekommen?


Ganz einfach, da wo ich davor gelebt habe hätte ich nicht mehr wirklich lange gelebt. Ich kann ja mal einen Abriss meiner damaligen Erlebnisse geben, der das Leben auf der Strasse ein wenig beleuchtet. Abseits der sogenannten Reality Shows wie z.B. "Die Aussreisser"

(völliger Quatsch - sie casten zwar Leute auf der Strasse, geben aber handlungsanweisungen und richten sich absolut nicht nach den Leuten - filmen auch Leute, die absolut nicht gefilmt werden möchten und wundern sich, wenn es irgendwann mal zu einer Boxerei kommt!)

Also zurück zu dem, was mich nach Berlin getrieben hat:

Ich kannte Berlin bereits aus einer Phase in meiner Jugend, kurz bevor ich zur Bundeswehr sollte, damals war ich am überlegen total zu verweigern - in der Zeit waren die Feldjäger noch aktiver hinter den Menschen her und da ich ja eine Straftat plante (nämlich Wehrdienstverweigerung) suchte ich die Anonymität einer Großstadt, ergo Berlin.

Ausserdem lief es damals absolut nicht mit meinen Pflegeeltern und ich wäre wahrscheinlich früher oder später eh abgehauen.

Nicht lange gefackelt und ab in den nächsten Zug, meine damalige Freundin kam aus anderen Gründen mit, auf die ich hier nicht eingehen möchte, denn das ist ihre Privatsphäre und daher habe ich kein Recht dies zu veröffentlichen!

Wie so viele vor, und auch nach uns war unser erster Abend direkt am Bahnhof Zoo, ein Ort, der absolut nicht zu empfehlen ist, da dort die Drogendichte eine sehr hohe ist und auch mit der Bahnsicherheit und den Polizisten absolut nicht zu spassen ist. 

Wir machten uns am nächsten Tag auch gleich auf an den Alexanderplatz in Begleitung eines Berliner Punks, der uns die damaligen Punkerplätze zeigte. Es war ja löeider Winter und wir brauchten etwas, wo wir warm und halbwegs sicher schlafen konnten, ohne der allgegenwärtigen Gefahr aussgesetzt zu sein a) von der Polizei aufgegriffen zu werden und b) von Nazis im Schlaf zusammengeschlagen, oder in den Schlafsäcken angezündet zu werden.

Vorsicht vor Nazis

So toll fühlt sich das ganze nicht an, wenn man plötzlich in seinen Schlafsack eingeschweisst ist, wie ein vorgegartes Tiefkühlhühnchen. Einige Punks tragen davon auch Narben an den Beinen, mehr oder weniger verheilte Brandwunden aus solchen Ereignissen, die in kaum einer Zeitung zu lesen sind - es ist ja leider immer noch Alltag, daß so etwas passiert!

Wir blieben ca. 1 Jahr in Berlin und trennten uns, da wir beide mit anderen Menschen zusammen kamen - im Nachhinein bin ich nicht stolz auf diese Zeit, sie half mir jedoch bei späteren Aussrissen und Vagabundenleben ziemlich weiter, da ich damals fast noch so etwas wie Welpenschutz hatte, den ich später nicht mehr hatte.

Der Tot ist auf der Straße immer präsent!

Leider kam mein Ex in der Folgezeit auf Schore (Heroin) und war mehrmals gezwungen sich zu prostituieren - in der Folgezeit ging es rapide mit ihr berg ab, aber ich konnte, und sie ließ sich nicht helfen. Noch heute gehe ich jedes Jahr an ihr Grab. Die Adresse des Grabes und den Todestag werde ich hier aber auch nicht veröffentlichen, da ich alleine trauern will und es so wieso schon schwer genug ist dort seine Ruhe zu haben, da mir ihre Eltern immer noch die Schuld an Ihrem Tot geben.

Teilweise mögen si da sogar recht haben, aber ich denke das sie auch eine Menge eigener Schuld auf mich projezieren, um so ein wenig schmerzfreier weiter leben zu können. Es sei Ihnen gegönnt!   


Leider denken ja viele Menschen, das ein Leben auf der Straße Frei ist, ja im Sinne von Vogelfrei...Gewalt ist ein täglicher Beglöeiter, angefangen von Menschen, die aus intoleranz ständig schlechte Sprüche angeben, nach einem treten etc.

Überreagierende polizisten, die ja nichts zu befürchten haben, wenn sie gewalttätige werden!

Nazis, die bereits viel zu viele Freunde und Bekannte ernsthaft verletzt, oder auch getötet haben

Und nicht zu vergessen, die Kälte im Winter, die ich hier hinschreibe (Naturgewalt?) die auch schon so manchem Menschen das Leben gekostet hat.

An alle die sich überlegen ausszureissen - überlegt es euch, das Trebeleben ist kein Ponyhof!

 

von rocky fella
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